Freitag, 9. Juli 2010
9.7.1827 - Eröffnung der ersten Lebensversicherungsbank Deutschlands
Das Bedürfniß, die ihres Hauptes beraubte Familie gegen Mangel zu sichern, das eigene Gemüth aber von der Qual zu befreien, welche der Gedanke an einen frühzeitigen Tod bei unerzogenen Kindern, und der Vermögensunzulänglichkeit der Wittwe mit sich führt; dieses Bedürfniß ist so groß, so allgemein, und mehr oder weniger lebhaft gefühlt, daß es nur einer Anregung bedarf, um so einer Lebensversicherungsbank, bei welcher der Versicherte als Actionär anzusehen ist, einen unglaublichen Wirkungskreis zu verschaffen ...
... schrieb Ernst Wilhelm Arnoldi im Jahr 1823. Am 9.7.1827, also heute vor 183 Jahren, gab Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Gotha ihm die Genehmigung, seine Idee einer Lebensversicherungsbank für Deutschland in die Tat umzusetzen. Am 1.1.1829 eröffnete Arnoldi seinen Geschäftsbetrieb mit 846 Policen; 1841, zum Zeitpunkt seines Todes, hatte das Unternehmen etwa 10.000 Mitglieder, die nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit (ohne das Bestreben nach Gewinnerwirtschaftung) versichert waren. Um die Höhe der Prämienzahlungen abschätzen zu können, bediente Arnoldi sich der Wahrscheinlichkeitsrechnung und der Sterbestatistiken. Seine Versicherungsnehmer stammten in erster Linie aus dem gebildeten Bürgertum, das im Unterschied zu Bauern- oder Handwerker-Familien, denen ein eigener Hof oder eine Werkstatt wenigstens ein Minimum an sozialer Sicherung boten, ausschließlich auf das Einkommen des Ernährers angewiesen war. Zur Verbreitung seiner Idee der Lebensversicherung machte Arnoldi sich die bürgerliche Familienideologie zunutze, die dem Mann die Rolle des Ernährers und Beschützers zuwies. Als idealer Familienvater versorgte er seine Familie auch über den Tod hinaus.
Quelle:
Chronik des 19. Jahrhunderts, Chronik Verlag
Erstveröffentlichung am 9. Juli 1999
8. Juli 2010