Dienstag, 13. Juli 2010
1822 - Kremser, ein neues Beförderungsmittel für jedermann
Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein und dann nüscht wie 'raus zum Wannsee ...
Sommerzeit - Ausflugszeit, das wird man sich auch zu Beginn des 19. Jhs. in Berlin gesagt haben. Um vor allem auch für die weniger betuchten unter den mittlerweile mehr als 200.000 Einwohnern eine Möglichkeit zu schaffen, Sonntagsausflüge ins Grüne, etwa nach Charlottenburg, Schönau, Stralau oder zum Gesundbrunnen zu unternehmen, richtete der Hofrat Simon Kremser 1822 an verschiedenen Plätzen in der Stadt Stände für Mietkutschen ein. Die offenen Pferdewagen (bei Regen konnte ein Verdeck angebracht werden), die je nach Bauart zwischen 10 und 20 Fahrgäste aufnehmen konnten, wurden bald nach ihrem "Erfinder" Kremser genannt und etablierten sich als beliebtes und vielgenutztes Verkehrsmittel, auch wenn die Fahrt zumeist recht unbequem verlief, denn die meisten Chausseen waren damals noch ungepflasterte Sandwege.
Für den geringen Fahrpreis mußte man auch bereit sein, längere Wartezeiten Kauf zu nehmen, denn das Fuhrwerk verließ seinen Stand erst, wenn sich genügend Fahrgäste gefunden hatten - wohingegen man es mit der Begrenzung nach oben nicht so genau nahm. Kamen an besonders schönen Tagen viele Berliner auf die Idee, einen Ausflug zu machen, mußten sich die Reiselustigen eben quetschen. Überdies galten die Kutscher als extrem launisch und unfreundlich.
Quelle:
Chronik des 19. Jahrhunderts, Chronik Verlag
Erstveröffentlichung am 11. Juli 1999
12. Juli 2010