
Ende Juli - Ghanta-Karna-Tag in Nepal
Der Sieg über den finsteren Dämon Ghanta Karna, der unzählige Menschen ermordete, um ihr Blut zu trinken, wird alljährlich gegen Ende Juli in Nepal gefeiert. Über seinen Untergang erzählt man folgende Legende: Einer der Hindugötter, der Mitleid mit den Menschen hatte, die um Erlösung von dem Unhold flehten, verwandelte sich in einen Frosch und verhöhnte den Dämon solange, bis dieser ihn in einen tiefen Brunnen verfolgte, aus dem er sich nicht mehr befreien konnte. Die Menschen vollendeten sein Werk, indem sie die Bestie steinigten und ihren Leichnam verbrannten.
Der Ghanta-Tag beginnt damit, daß Kinder sich an Kreuzungen und Weggabelungen aufstellen und von Vorübergehenden Geld für die Herstellung von riesigen Puppen sammeln, die den Unhold verkörpern sollen. Diese Puppen werden später am Tag in einem feierlichen Zug durch die Straßen getragen und schließlich verbrannt. Respekt zollt man dem bösen Dämon bis heute, denn nach der Feier gehen alle rasch nach Hause und bleiben dort bis zum nächsten Morgen - aus Angst, er könnte doch noch einmal zurückkehren und blutige Rache nehmen. Dargestellt wird Ghanta Karna oft mit unschuldigem Kindergesicht. Der Todfeind des gütigen Hindugottes Wischnu trägt Glöckchen an den Ohren, deren Klang jede Erwähnung von Wishnus Namen übertönen soll. In einer Hand hält er eine Keule, um seine Opfer zu erschlagen, in der anderen eine Flasche, um darin ihr Blut aufzufangen.
Quelle:
Das Mystische Jahr, Time-Life Verlag, 1992
Erstveröffentlichung am 30. Juli 1999
28. Juli 2010