Freitag, 30. Juli 2010
30.7.1419 - Der erste "Prager Fenstersturz"
Heute vor 591 Jahren, am 30.7.1419, stürmten Anhänger des in Konstanz als Ketzer verbrannten Johannes Hus das Neustädter Rathaus in Prag und warfen die katholischen Stadträte aus den Fenstern in die unten wartende Volksmenge, die sie mit Lanzen aufspießte. Zu der Tat kam es, als der katholische Rat der Neustadt eine hussitische Prozession störte. Mit den in der Folge einsetzenden Unruhen erreichte die religiös-revolutionäre Bewegung der Hussiten in Böhmen ihren ersten Höhepunkt.
Johannes Hus war ein Verehrer des englischen Theologen John Wyclif. Dieser lehnte die dogmatische Abendmahlslehre ab und wollte die Kirche im Sinne der brüderlich in Armut lebenden Urkirche reformieren. Hus, der sich dieses Reformgedankengut zu eigen gemacht hatte, wurde daraufhin 1412 mit einem päpstlichen Bann belegt. Vor der höchsten Instanz der Kirche, dem zwischen 1418-18 in Konstanz tagenden Konzil, verteidigte er seine Lehre, indem er sich auf die Heilige Schrift berief. Dennoch wurden seine Lehren als Ketzerei verworfen, und er selbst, als er sich weigerte, sie zu widerrufen, am 6.7.1415 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Zu den religiösen Motiven der Aufständischen kamen national-tschechische hinzu. Mehrere Proteste des tschechischen Adels fanden vor dem Konstanzer Konzil keine Beachtung. Noch während das Konzil tagte, verbündeten sich Anhänger von Johannes Hus in ganz Böhmen und Mähren.
Quelle:
Chronik der Deutschen, Chronik Verlag
Erstveröffentlichung am 30. Juli 2001
29. Juli 2010