Samstag, 28. August 2010
"Frauendreißiger" (15. August - 8. September)
"Frauendreißiger", so nennt man die Tage zwischen Maria Himmelfahrt am 15. August und Maria Geburtstag am 8. September. In dieser Zeit, so heißt es, in der die Natur am liebreichsten und gesündesten sei, ruhe ein dreifacher Segen auf Pflanze und Tier.
Geschickt nutzte die Kirche die Vorliebe der Germanen für heil- und zauberkräftige Kräuter und setzte für den Tag von Maria Himmelfahrt eine feierliche Weihe der Kräuter an. Das man gerade diesen Tag auswählte, hat seinen Ursprung in einer alten Legende, die besagt, daß die Apostel und Jünger Jesu, als sie am dritten Tag nach der Bestattung Marias die Tote noch einmal sehen wollten, das Grab leer vorfanden. Statt dessen blühten wohlriechende Blumen und Kräuter darin.
Einige Zeit vor der Kräuterweihe sammeln Kinder und Frauen die Pflanzen auf Wiesen, in Wäldern und an Feldrainen. Früher gehörten zu so einem Kräuterbüschel, auch "Marienwisch" genannt, 77 Pflanzen. Da sich jedoch meist in der kurzen Zeit nicht so viel beschaffen ließ, einigte man sich auf mindestens neunerlei Kräuter, die z.B. in Tirol in großen, rosen- und bändergeschmückten Körben zur Kirche getragen werden. Es ist auch keineswegs gleichgültig, welcher Geistliche die Kräuterweihe vornimmt. Den Vorzug gibt man den Kapuzinern und Franziskanern. Getrocknet und zerkleinert werden die Kräuter aufbewahrt, um sie bei Bedarf in genügender Menge zur Hand zu haben.
Quelle:
Vom Volksbrauch im Sommer (IV), Deutsche Hoffmann - La Roche AG.,
Grenzach/Baden
Erstveröffentlichung am 28. August 1998
27. August 2010