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INITIATIVE/595: Schluss mit Biodiversität nur auf dem Papier (NABU)


Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V. - Pressedienst, 7. Dezember 2023

Schluss mit Biodiversität nur auf dem Papier

NABU fordert konkrete Maßnahmen,"ausreichende Finanzmittel und eine abgestimmte Strategie"


BERLIN - Vor einem Jahr, am 7. Dezember 2022, begann die Weltnaturkonferenz in Montreal ihre Verhandlungen. Nach zähem Ringen einigten sich die Vertragsstaaten auf ein gemeinsames Abkommen, unter anderem mit dem Ziel, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen wirksam zu schützen. Heute, ein Jahr nach der Einigung steht es um den Zustand der Natur allerdings weiterhin schlecht. Zum Erreichen der selbstgesetzten Ziele von Montreal bleiben Deutschland nun noch sechs Jahre Zeit. Jedes dieser Jahre muss gut genutzt werden, um den Verlust der Biodiversität bis 2030 zu stoppen und umzukehren. Die Rettung von Millionen Arten und unserer Lebensgrundlagen duldet keinen Aufschub.

Dazu NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger: "Um es ganz deutlich zu sagen: Unser eigenes Überleben hängt von der Natur ab. Auch unsere Wirtschaft ist abhängig von ihr: Bestäuber tragen beispielsweise in Deutschland 3,8 Milliarden Euro jährlich zum Bruttosozialprodukt bei. Ihr Schutz muss daher höchste politische Priorität haben und auch entsprechend finanziert werden."

Moderatorin und NABU-Fledermausbotschafterin Ruth Moschner ergänzt und verweist auf die wichtige Rolle von Fledermäusen und Insekten in Ökosystemen: "Fledermäuse leben von Insekten, deren Bestand auch aufgrund von Pestiziden in der konventionellen Landwirtschaft stark zurückgeht. Je diverser unser Ökosystem ist, umso höher sind unsere Überlebenschancen. Alles hängt miteinander zusammen und gerade an Insekten und Fledermäusen kann man das sehr gut sehen. Jede Art braucht unseren Schutz."

Der NABU fordert die Bundesregierung daher auf, eine starke Nationale Biodiversitätsstrategie mit wirkungsvollen Maßnahmen zu verabschieden, die rasch in die Umsetzung geht. Die Ressortabstimmung darf den Entwurf des Umweltministeriums in keiner Weise aufweichen. Bundesfinanzminister Christian Lindner ist aufgefordert, umweltschädigende Subventionen zu prüfen und die versprochenen Gelder über 1,5 Mrd. Euro für den globalen Biodiversitätsschutz zur Verfügung zu stellen. Zudem dürfen Schutzgebiete nicht länger nur auf dem Papier existieren, sondern müssen der Natur Vorrang vor wirtschaftlicher Nutzung geben. Bei der Wiederherstellung von Ökosystemen gibt es bereits einige gute Ansätze wie das EU-Gesetz zur Wiederherstellung der Natur oder das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz. Wichtig ist, dass diese nicht nur Theorie bleiben, sondern sichtbare Ergebnisse erzielen.

Hintergrund:
Knapp 80 Prozent der natürlichen Lebensräume in Europa sind geschädigt. Ein Fünftel aller Arten der Roten Liste in Europa ist vom Aussterben bedroht, noch mehr als noch vom Weltbiodiversitätsrat (IPBES) 2019 geschätzt. Laut Roter Liste (Tiere, Pflanzen, Pilze) sind 25 Prozent der rund 40.000 bewerteten Arten und Unterarten in Deutschland bestandsgefährdet. 70 Prozent der Offenlandvogelarten gelten als gefährdet. Der Bestand der Wildbienen ist in den letzten 25 Jahren um ca. 42 Prozent zurückgegangen.

weitere Informationen:
Informationen zur Naturkrise
https://www.nabu.de/landingpages/naturkrise.html?utm_source=pm&utm_medium=mail&utm_content=pm-naturkrise&utm_campaign=naturkrise
NABU-Stellungnahme zur Nationalen Biodiversitätsstrategie
https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/230707_nabu-stellungnahme_nbs_2030.pdf
Hintergründe zur Nationalen Biodiversitätsstrategie
https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/naturschutz/deutschland/07341.html
Ergebnisse der Weltnaturkonferenz in Montreal 2022
https://blogs.nabu.de/naturschaetze-retten/cop15-weltnaturabkommen_verabschiedet/

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Quelle:
NABU Pressedienst, 07.12.2023
Herausgeber:
Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU)
Pressestelle
Charitéstraße 3, 10117 Berlin
E-Mail: presse@NABU.de
Internet: www.NABU.de

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 8. Dezember 2023

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